Darina Schneider: Sehsucht. Gedichte.


pack mich piano
am dunkelsten tag
wenn mars' kräfte weichen
meteoriten in leerlauf verharren

halt mich pianissimo
im stillsten sturm
wenn venus ermüdet
polarlichter in schwärze erfrieren

schnapp mich – vite vite
in sanfter schlacht
wenn aphrodite welten verschlingt
sonne mit polkappen verklebt

lieb mich forte
in hellster nacht
wenn monde untergehen
schnuppen den rückzug wählen

ufos sprengen dein
stern
welt
bild

Selten hat eine Lyrikerin so lange Gedichte in sich getragen. Selten sind Werke noch vor dem Aufschreiben so abgeschlossen gewesen. Darina Schneider hat offensichtlich die üblichen Entwicklungsstufen des Werdens als Schreibende übersprungen und uns Erstlinge als fertige Werke vorgelegt. Gedichte in einer modernen Sprache (Nekrose, Kardiosklerose, Snooze usw.) mit einem natürlichen inneren Rhythmus, der vom Duktus der Notwendigkeit bestimmt wird, uns Lesern bewegende und bedrängende Lebensinhalte und Alltäglichkeiten mitzuteilen.

Mikro- und Makrokosmos reichen sich in den Zeilen der Lyrikerin die Hand. Weibliche Leidenschaft und Erotik schimmern durch das präzise Gewebe der Worte.

Klaus Servene
Herausgeber

Anmerkungen zu den Gedichten SEHSUCHT von Darina Schneider

Frieden nicht Waffenstillstand – was für ein „Anspruch“! Die Jungautorin erforscht mit ihrer Lyrik gleichermaßen das Leben und die Sprache. Das könnte banal daherkommen, verblüfft aber immer wieder mit Metaphern, die zum Nachdenken anregen. Speere voll Ehrfurcht, jauchzende Ampeln, Kolonien voll Achtsamkeit, Ewigkeit schlemmende Maden – überbordende Phantasie oder Gehhilfe aus dem Einerlei unseres Alltags, aus der Trostlosigkeit des Gewohnten?

Kichern unterm Leichentuch? Da will etwas entkommen, will Neues entdecken und sich selber finden! Sehsucht. In diesem Titel und in der Fülle und Ausgewogenheit der einzelnen Texte findet sich geballt der Wille, vorwärts zu gehen aber gleichzeitig einzudringen in etwas Inneres, Eigenes und doch Unbekanntes.

Sehsucht, vielleicht kennt sie jeder auf seine Weise, aber wer vermag dies Wissen so zu komprimieren und gleichzeitig zu öffnen, zu entfalten!

Freuen wir uns darauf, was der Sehsucht Darina Schneiders noch begegnen wird.

Dr. Ilse Zilch-Döpke, Berlin

Darina Schneider, geb. 1980 in Bonn, Praktikum und Studium im Bereich der Pharmazie, entschied sich nach sechs Jahren Berufspraxis in Apotheken einen ganz neuen Weg einzuschlagen. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Medienproduzentin Bild und Ton, sammelte Erfahrungen während zahlreicher Reisen in Zentralamerika und Asien.
Mit „Sehsucht“ legt sie ihren ersten Gedichtband vor.

Hardcover mit Schutzumschlag, 48 Seiten, 14.80 €, ISBN 9783936625844

Jan Turovski: Der Fall Odile Féret

Roman, kartoniert, 204 Seiten, ISBN 978-3-936625-85-1, 13.90 €

Jahre, nachdem Paul Leduc offiziell in seinem eigenen Haus einem Feuer erlegen, bis zur Unkenntlichkeit verbrannt ist, sieht ihn seine ehemalige Mitschülerin Odile Féret, plötzlich und vollkommen unerwartet, im Küstenort Gravelines am Ärmelkanal, wohin sie eine Busreise unternommenn hat. Paul Leduc lebt!

Odile, eine Frau mit einem geregelten Alltag im belgischen Kleinstadtmilieu und mit einem klaren Kopf, mit geregelten Gefühlen ohne besondere Ausschläge, wird nun nicht mehr zur Ruhe kommen. Sie hat ihn wiedergesehen, den sie, ohne dass er es ahnte, immer geliebt, bewundert und auch beobachtet hat, ohne ihm je ihre Gefühle zu offenbaren. So, wie sie sich selbst nicht verraten hat, wird sie auch ihn nicht verraten, hierin ihren literarischen Vorbildern nacheifernd.

Rund dreißig Jahre nach seinem Romandebüt Die Sonntage des Herrn Kopanski bei Benziger, Zürich, legt Jan Turovski mit seinem neunten, veröffentlichten Roman eine Coming in age Geschichte vor, in der erneut Sprache, Beobachtung, Spannung und auch Humor faszinierend neu verbunden werden.

"Der in Bonn lebende Jan Turovski gehört zu jenen Autoren, die bemerkenswert gute Literatur schreiben, ohne großes Aufheben von sich zu machen." Mannheimer Morgen

Nathan der Weise - Mannheimer Neuinszenierung 2017



Besprechung in der Wormser Zeitung.
Mannheimer Morgen.
Bericht "Animus Klub" mit vielen Fotos.
Dokumentation und Neues auf der Webseite der Internationalen Freien Theatergruppe Unser Theater.

Wussten Sie, dass "Nathan der Weise" 1779 in Mannheim inoffiziell uraufgeführt wurde?

"UnserTheaTer" zeigt Lessings berühmten Klassiker in einem neuen Gewand. Die Philosophie "Alle anders - Alle gleich" spiegelt sich in diesem Stück in besonderem Maße wider. Zudem spannt der Weltchor den Bogen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Hierfür wurden Filmszenen gedreht, die während der Aufführung eingespielt werden.

"UnserTheaTer" besteht aus Menschen internationaler Herkunft. Sie leben in Mannheim und der Metropolregion Rhein-Neckar.

Aufklärung - ein Fest! Lassen Sie sich inspirieren und von der "UnserTheaTer"-Lebenslust anstecken.

Regie und Gesamtleitung: Limeik Topchi
Assistenz: Annette Hammerstein
Neue Bühnenfassung: Klaus Servene in Zusammenarbeit mit Limeik Topchi
Bühnenbild: Prof. Dr. Spartak Paskalevski
Kostüme: Dzevada Christ
Videoproduktionen: Tatiana und Artem Gratchev
Fotos: Tatiana Gratchev
Musik-Collage/Licht: Artem Gratchev
Technische Hilfe: Gerhard Müller

Ensemble: Brigitta Martin (Sultan Saladin), Larissa Fritsch (Sittah), Monika Loser (Nathan), Betül-Bengü Soyupak (Recha), Annette Hammerstein (Daja), Leo Kawe (Tempelherr), Beate Gerbil und Sharif Tavakuli (Derwisch), Dirk Mühlbach (Patriarch), Klaus Becker (Klosterbruder), Mariana Arnaudova (tote Ehefrau Nathans);

sowie für Filmeinspieler eines "Weltchors" zusätzlich viele andere mehr: Esther Reche Callardo, Hasan Yurt, Murat Görgülü, Filiz Lunkaya, Ali Elfeky, Nino Janiashvili, Helmut Schäfer, Mesude Schmidt, Sümmeya Ugurlu, Reggy Nur, Ali Yurt, Ulla Zellmann-Seyfferth, Margarita Zarkova, Burak Görgülü, Daniela Cohrs, Aleksandra Burger, Arman Colon-Flores, Mathias Wendel, Ebru Ramisova, Matthias Boeker, Alisia Uzunova, Theodor Burger, Sara Baraiac.

Uraufführung bzw. Premiere am 18. März 2017 im Theatersaal der Abendakademie Mannheim (im Rahmen der UN-Wochen gegen Rassismus) - ausverkauft.
25. März 19.00 Uhr: Lincoln-Theater Worms.
7. April 19.00 Uhr: Kulturkirche Epiphanias Mannheim.
29. April 19.00 Uhr: Bürgerzentrum Heidelberg-Kirchheim.

Der Kurzfilm - Der Patriarch kommt und urteilt (Videoproduktion - Tatiana und Artem Gratchev) - ist ein wesentlicher Teil der Inszenierung.

Youtube-Trailer Hier.

Drehbuch und Regie: Klaus Servene.
Mit:
Dirk Mühlbach als Patriarch,
Matthias Boeker (aka Beaker Pox),
Mathias Wendel.

Gesamtverantwortung für die Theater-Projekte "Nathan der Weise" und "Flirt mit dem Tod", Kontakt und Leitung Ensemble "Unser Theater":
Limeik Topchi, Schauspieler & Regisseur
E-Mail: info@unser-theater.com
(c) Beide Bühnentexte: Klaus Servene, Mannheim



„Nathan der Weise“ als öffentlicher Selbstverteidigungskurs gegen den umgreifenden Inhumanismus - Zur Entstehung der „Mannheimer Neuinszenierung“

Als ich den Schauspieler, Regisseur und Schauspieldozenten Limeik Topchi kennenlernte, bei einem „Internationalen Suppenfest“ in der „Begegnungsstätte Westliche Unterstadt“, ahnte ich nicht, dass ich mein geplantes (und inzwischen wieder vergessenes) „Kürzertreten“ als Autor und Herausgeber (von rund 60 Büchern) erneut würde verschieben müssen. 2015 probte er mit Engagement und Enthusiasmus für „Heymes Sturm“ und wir trafen uns im Café der Abendakademie, wo er mir seine bereits sehr detaillierten Ideen zum Stück „Flirt mit dem Tod“ so eindrücklich schilderte, dass ich sofort begann, den Theatertext niederzuschreiben. Der Faszination des Themas sind glücklicherweise nicht nur Topchi und ich erlegen, sondern bereits im Jahr darauf auch die zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauer im gleich zwei Mal hintereinander ausverkauften Capitol-Casablanca: ein „Mannheimer Jedermann“ (Presse) war geboren – aber Topchi hatte bereits vor der Premiere darauf insistiert, ein weit größeres Projekt mit über dreißig Beteiligten in Angriff zu nehmen: Nathan der Weise.

Zu Lessings Zeiten wie heute prallen weltweit religiöse Weltbilder aufeinander, wird Religion zu einem politischen Werkzeug zur Durchsetzung von Machtinteressen. Hass wurde und wird erzeugt, Hass auf die „Anderen“, er entlädt sich in alltäglichem Terror und in exzessiver Gewalt.

Und darum hat auf Topchis Anregung „Unser Theater“ (zunächst in Form meiner Textarbeit), 15 Jahre nach 9/11, der Seele von Lessings Lehrstück nachgespürt, jenes „materialistischen Aufklärers“ (Fritz J. Raddatz). Im vollen Bewusstsein darüber, dass es sich hier um eines der bedeutendsten Theaterstücke in deutscher Sprache handelt. Welches übrigens noch zu seinen Lebzeiten zum ersten Mal in Mannheim (nichtöffentlich) aufgeführt wurde; und zwar offenbar zwischen dem Termin der Erstveröffentlichung des Nathan zur Leipziger Ostermesse 1779 und dem 15. Oktober 1779. Letztes Datum trägt ein Brief aus Mannheim, als Quelle zitiert im "Theaterkalender auf das Jahr 1781, Gotha". (Den Fakten von "wesentlicher Relevanz" nicht nur für die Mannheimer Theatergeschichte ist dankenswerter Weise Frau Liselotte Homering vom REM "auf der Spur" ...)

Zu Ostern 2016 entstand eine erste Fassung, welcher in engster Zusammenarbeit mit Topchi und in der Folge mit seinem Ensemble weitere Fassungen folgten. Galt es doch, das Stück zu kürzen und auf Wunsch des Regisseurs um meine eigene Lyrik anzureichern; dies nicht im Sinn einer mutwilligen Collage, sondern eines Herausarbeitens von Lessings Intention. So gehören Filmeinspielungen eines „Weltchors“ zu dieser Inszenierung. Ebenfalls fester Bestandteil der Neufassung ist eine filmische Einspielung der Patriarchenszene. Dadurch wird über das persönliche Schicksal eines Schauspielers hinaus eine allgemeine menschliche Tragik auf den Punkt gebracht: Der Mannheimer Schauspieler Dirk Mühlbach spielt den „herzlosen“ Patriarchen. Seit dem 18. September 2014 kann er seinem Schauspielerberuf nicht mehr nachgehen. Seitdem steht er nämlich auf der Warteliste der Heidelberger Herzchirurgie und wartet auf ein Spenderherz. Seit dem 18. September 2014 hängt sein Leben an einem sogenannten Kunstherzsystem.

Auch wird Nathans Ehefrau und seinen toten Söhnen eine gewichtigere Rolle gegeben, die Schlüsselszene ist eher ein Auftritt Nathans und des Klosterbruders als die bekanntere Ringparabelszene ...

Antworten und Fragen wurden gefunden, die helfen können, unsere Gegenwart besser zu verstehen und gerade hier und jetzt eine klare Haltung zu zeigen. Die Einzigartigkeit des „dramatischen Poems“ aus einer längst vergangenen Zeit soll aufgefrischt werden. Im Sinne Lessings wird „der ganzen Welt“ gezeigt, dass zur Brechung jedweder Gewaltunkultur Verständigung und Verstehen, Toleranz, ja Duldsamkeit erforderlich sind. Ihr Scheitern würde ein Versinken ins Chaos und in die Barbarei bedeuten.

„Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“, dieser Kant-Spruch gilt heute mehr denn je.

Februar 2017, Klaus Servene, Autor & Herausgeber